M E H R M E I S T E R I N N E N , M E H R M U T überzeugt, dass Handwerker durchaus mehr verdienen kön- nen als Akademiker. Auch sie möchte andere Frauen dafür gewinnen, ins Handwerk zu gehen: „Einfach machen.“ Anteil der Meisterinnen steigt Frauen stellten nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 2024 etwa ein Viertel der Be- schäftigten in Handwerksberufen. Ihr Anteil hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Aber es gibt mehr Meisterinnen. Im Vergleich zu 2013 arbeiten heute gut 7.000 Frauen mehr als Handwerksmeisterinnen; damit stieg der Frauenanteil hier von 13 auf gut 17 Prozent. Das ist ein deut- licher Fortschritt – und ein Beweis, dass Frauen im Handwerk alles erreichen können. Rollenmuster weiter präsent Allerdings sind die Rollen immer noch eher klassisch verteilt. Bei der Wahl der Ausbildung „folgen junge Frauen und Männer immer noch oft geschlechtertypischen Rollenmustern“, heißt es beim IW. In männertypischen Sparten wie auf dem Bau oder in der Werkstatt sind sie weiterhin unterrepräsentiert. Ausnahmen gibt es auch hier: So arbeiten unter anderem in der Kraftfahrzeugtechnik, im Fleischerhandwerk und der Ge- bäudereinigung inzwischen etwas mehr Frauen als früher. Zuwachs bei Green Jobs Generell nimmt der Anteil der Handwerkerinnen vor allem in Berufen mit einem dauerhaften Fachkräfteengpass zu. Das gilt zum Beispiel für Jobs rund um die Energiewende wie Bauelektriker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikerin so- wie Dachdecker. Das zeigt: Frauen sind bei der Behebung des Fachkräftemangels ein ganz wichtiger Faktor – und in- zwischen auch deutlich umworben. Denn im Handwerk sind derzeit laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) geschätzt 200.000 Stellen un- besetzt. Frauen können als Teil der Lösung des Fachkräfte- problems eine wachsende Rolle spielen. Der ZDH engagiert sich daher aktiv in Initiativen und Kampagnen, um mehr Frauen für das Handwerk zu gewinnen und bereits bei der Berufsorientierung und -beratung „junge Frauen für eine du- ale Ausbildung im Handwerk zu begeistern“. Weg vom Schubladendenken Beim ZDH heißt es: „In Schubladen denken war gestern.“ Dort versucht man, über Social Media, das Internet und mit einer Kampagne Stereotype zu brechen und besonders auch bei Frauen Interesse fürs Handwerk zu wecken. In Kurzport- räts und ansprechend produzierten Videos werden Frauen vorgestellt, die zeigen, wie viel Freude sie an ihrem Beruf ha- ben und wie spannend die Arbeit im Handwerk sein kann. Zusammen mit den Handwerkskammern unterstützt der ZDH auch regelmäßig bundesweite Netzwerktreffen, um mehr Frauen ins Handwerk zu bringen. Dazu kommen diverse Netzwerke, Projekte und Initiativen, die alle ein Ziel haben: die Rolle der Frauen im Handwerk weiter zu stärken. Sie heißen „Unternehmerfrauen im Hand- werk“, „Gründerinnen im Handwerk“, „Initiative Klischeefrei“, „Unternehmerinnen für den Mittelstand“ oder „Handwerkerin- nen Kompetenzzentrum“. Auch diverse Preise und Auszeich- nungen sollen Aufmerksamkeit erzeugen. Ob Fotowettbe- werbe zu Handwerkerinnen oder Titel wie Miss & Mister Handwerk – es geht um „neue Perspektiven, Kreativität und Stärke“ in den Werkstätten, wie Tischlerin und Handwerks- influencerin Isabelle Vivianne (@die.tischlerin) sagt. Miss Handwerk Vivianne meldet sich ebenso regelmäßig zu Wort wie Katja Lilu Melder (@katja_lilu_melder), mehrfache Meisterin, Miss Handwerk 2025 und selbsternannte „Handwerksspeakerin mit Haltung“. „Dass die Baubranche immer noch als Männer- domäne gilt, in der Frauen keinen Platz haben, finde ich wirk- lich überholt“, sagt sie. Es sind Vorbilder wie Melder und Vivianne, die das Image des Handwerks aufpolieren. Sie halten Vorträge und Work- shops und setzen regelmäßig Posts auf Instagram und Co. ab. Das machen auch Luisa Buck (@lulu.metalroofer) und Julia Schäfer (@tschulique), die schon mehr als eine Million Followerinnen und Follower gewonnen hat, mit Slogans wie „Seid schlau, geht auf den Bau“. Die beiden belassen es aber nicht bei Sprüchen, sondern ver- suchen, darüber hinaus gute Argumente zu liefern und durch Videos echte Einblicke zu geben. So zeigt zum Beispiel Julia Schäfer, dass sich Frauen vor der körperlichen Arbeit – und damit auch vor der Überlegenheit der Männer – nicht mehr fürchten müssen, weil es viel mehr unterstützende Maschinen gibt als früher und der technische Fortschritt vieles erleichtert. Noch sind Frauen im Handwerk in der Minderheit – trotz her- vorragender Aussichten. Vielleicht schaffen die Influencerin- nen mit ihrer Anziehungskraft und ihren Berichten aus erster Hand die Wende in Betrieben und Werkstätten. 47